HochZuhaus – Geschichten aus dem begrenzten Raum

Luftartistische Performance – One-on-Two im Stadtraum

"Eine Trapezkünstlerin hatte ihr Leben derart eingerichtet, dass sie Tag und Nacht auf dem Trapeze blieb." Franz Kafka

Die Trapezkünstlerin lebt auf ihrem Trapez und ist somit Expertin für Leben im begrenzten Raum. 2020 bekamen wir einen ersten Einblick in eine post-apokalyptische Welt. Somit mussten auch wir beträchtliche Begrenzungen unseres gewohnten Raums in unserem Alltag erleben. Doch die Trapezkünstlerin kann uns Rat geben, Mut machen und Ideen anstoßen, aus der Begrenzung unseres Alltags das Beste zu machen – die weit in eine neue Zukunft ausstrahlen. Sie tanzt in der Luft und teilt Geschichten über ihr Leben.

Sie ist aus der Ferne zu sehen, artistische Gespräche führt sie mit jeweils zwei Personen, die zu ihr auf das Gerüst hochkommen.

 

Idee, Text und Spiel: Jana Korb
Regie: Anja Gessenhardt
Outer Eyes: Norbert Busschers, Hoppe Hoppinsky
Konzeptionelle Begleitung: Jillian Greenhalgh

Bühnenbild: Jana Korb, Phillip Bauer
Musik: Gisbert Schürig
Stimme: Jennie Zimmermann
Übersetzung ins Russische: Elena Kaznina
Übersetzung ins Englische: Jana Korb, Erica Ruhl
Gestaltung: Tobias Stiefel
Video: Friederike Berat
Technik, Rigging: Hoppe Hoppinsky
PR: Anne Laxy

Produktion: korb + stiefel
Produktionsassistenz: Ida Cramer, Dunja Kuhn

 

Premiere:
(21 05 2021 – Internationales Straßentheater Festival Holzminden – leider wegen Corona abgesagt)
27 05 2021 – Deutsch-Russisches Museum Karlshorst, Berlin

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HochZuhaus, Foto: Karsten Stouten

 

HochZuhaus, Foto: Karsten Stouten

 

HochZuhaus, Foto: Karsten Stouten

HochZuhaus, Projektskizze

 

HochZuhaus, Foto: Karsten Stouten

HochZuhaus, Foto: Steffen Groß

Weiterführende Informationen und Konzeptbeschreibung

In Kafkas existenziellem Schreiben stehen seine Zirkus-Figuren für die Kompromisslosigkeit künstlerischen Schaffens an sich – die Kunst des Risikos steht für existenzielle Unsicherheit und Getriebenheit von Künstler*innen, bzw. für das Klischee davon.
Uns interessiert das Leben der Trapezkünstlerin unter einem weiteren Aspekt. Ihr Verzicht auf bürgerliches Leben (soweit das im Zirkus überhaupt möglich ist), ihre freiwillige Begrenzung ihres Lebens-Raums, ihr Verlust gewöhnlicher sozialer Beziehungen – asketische und spirituelle Tugenden, die zunehmend gesamt-gesellschaftlich an Akzeptanz erfahren, siehe Trends zu Tiny Houses u.ä. Die Trapezkünstlerin begrenzt ihren Raum, um größtmögliche Freiheit zu erlangen.

Was kann sie uns also mitgeben? Was können wir von einer Expertin für Leben im begrenzten Raum lernen? Was mitnehmen für unser eigenes Leben in einer Gesellschaft, die eine Pandemie zu überleben versucht und sich für zukünftige Herausforderungen rüstet? Was kann sie uns Positives mit auf dem Weg geben für unsere Suche nach künstlerischer, politischer und gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit? Welche ihrer Strategien sind für uns übertragbar?

Wir hören Geschichten über ihre Beziehung zum Boden, über den weiten Blick von oben, über ihre realen und imaginären Gefährt*innen. Wir erfahren von ihrem Alltag, ihrem Alleinsein, ihren Stürzen, ihrem Alter – wie praktisch ist es doch, so weit oben zu leben, wo niemand ihre ersten Falten sieht... Und vielleicht erzählt sie uns auch, seit wann und vor allem warum sie auf ihrem Trapez lebt!
Wir sehen ihr zu bei ihrer Artistik, ihrem Spiel, ihrem Alltag. Wir spielen also mit dem Kontrast von Nähe und Distanz, mit der „Exotik“ der Trapezkünstlerin, die auf einmal allgemein relatable wird, wir versetzen das Publikum in un/mögliche Vorstellungsräume.

Wir wollen dieses Spannungsfeld als luftartistische One-on-One (One-on-Two) Produk- tion im Stadtraum entwickeln, als interaktive Performance zwischen Performerin und maximal zwei Zuschauer*innen – die sich auf Treppen der Trapezkünstlerin nähern und mit ihr auf Augenhöhe in persönlichen Austausch treten.

Wir stellen uns vor, dass die Trapezkünstlerin in der Luft tanzend intime Gespräche mit ihren Gästen* führt – über begrenzte Räume, Zukunftsängste, mögliche Agency und vieles mehr. Diese Ansätze wollen wir für Performances nutzen, die einer (Post-) Corona-Gesellschaft neue Impulse geben können, und uns direkt mit dem Publikum im öffentlichen Raum verbinden, einem breiten Publikum, das mitunter nebenbei von unserer Kunst gefesselt wird.
Zufällig vorbeikommende weitere Zuschauer*innen können vom Boden aus mitverfolgen, was oben verhandelt wird – und werden so zu Zeug*innen eines geheimnisvoll wirkenden Austauschs zwischen der Performerin und ihren Gästen*.

Verortung innerhalb meiner künstlerischen Produktion

Mir ist wichtig zu erforschen, ob es über die Kunst des Risikos hinaus mehr gibt, was mit Zirkus dargestellt werden kann. Und da gehört ein Infragestellen der Virtuosität und des perfekten disziplinierten trainierten Körpers dazu. Einerseits muss eine Künstlerin außerordentlich trainiert sein, um z.B. einen Zehenhang zu halten - aber wenn der Zehenhang immer nur den Zehenhang darstellen kann, wenn man mit einem körperlichen „Trick“ immer nur den einen „Trick“ zeigen kann, was bringt dann das ganze Training für die Kunst? Um Zirkus als künstlerisches Medium sehen zu können, muss mehr passieren als Virtuosität - aber eben nicht als Verpackung oder Ablenkung, und auch nicht als Klischee.
In meiner Arbeit bedeutet das, dass ich zunächst stark versuchte, meine Artistik zu transzendieren, indem ich v.a. mit luftartistischen Requisiten experimentierte und in- szenierte: statt eines benutzte ich drei Trapeze, statt eines zehn Seile, ein Seil wurde zu einem Tuch...
In letzter Zeit gehe ich wieder zurück zum puren Requisit (Trapez), das alleine für sich, mit mir, mit der Artistik noch existenzieller sein kann, als seine Vervielfachung. Transzendierung bedeutet hier eine noch tiefere Auseinandersetzung mit dem Requisit, mit meiner Bewegung und dem immensen Imaginationsraum, den ich in seinem begrenzten Raum erschaffen kann.

Mit Kafkas Erzählung beschäftige ich mich schon seit über 20 Jahren, immer wieder fließen einzelne Aspekte davon in meine Produktionen. Dazu ist die Welt meiner Luftartistik schmerzlich menschlich, erzählt von persönlichen Träumen großer und noch nicht großer Frauen*. Diese bringe ich in den öffentlichen Raum, mache das Private politisch: Ich will den öffentlichen Raum mit meinen Geschichten besetzen – ein beiläufiges Publikum mit Themen konfrontieren, mit denen es nicht rechnet. Es geht um das Spiel mit der Wahrnehmung des Publikums, um Konfrontationen an gesellschaftlichen Grenzen. Ich will einen persönlichen Raum im öffentlichen Raum schaffen – der dennoch für alle erreichbar sein soll.

Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Gefördert durch das Bezirksamt Lichtenberg, Amt für Weiterbildung und Kultur.

Premiere im Rahmen des Performing  Arts Festivals: Das Performing Arts Festival Berlin des LAFT Berlin wird gefördert durch das Land Berlin – Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Gefördert vom Kultursekretariat NRW Gütersloh und Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Unterstützt von Werkplaats Diepenheim, Villa Kuriosum, Verein zur Überwindung der Schwerkraft, Deutsch-Russisches Museum Karlshorst, BLO-Ateliers.

Dank an: Hanna Lange, Jessie Walters, Aleks Rodicz, Tina Lange, Eike Gerischer, Ben Barrit, Mareike Heenemann, Anika Petzold...