Neuverortung
Die Zäsur der Pandemie ging bei mir einher mit einer radikalen Lebensveränderung: Nach Jahrzehnten Lebens in Großstädten (München, Moskau, Berlin) ziehe ich in die ehemalige Feldmühle Kelbra im sehr ländlichen Raum des südwestlichen Sachsen-Anhalt, um dort zu kreieren und zu proben, sowie um einen künstlerischen Produktions- und Residenzort zu entwickeln. Nun will ich hier als Künstlerin Fuß fassen. Nach über zwanzig Jahren professioneller künstlerischer Proben- und Kreations-Arbeit in Turnhallen, Scheunen, Flohmarkthallen, Groß-Garagen u.ä. habe ich nun zum ersten Mal einen eigenen Produktions-, Trainings-, Arbeits- und Kreationsort. Künstlerisches Potential, das bisher immer von zeitlichen und örtlichen Vorgaben anderer ausgebremst wurde, kann sich nun entfalten und einen großen qualitativen Sprung vollbringen.
Vor und während der Pandemie war ich in erster Linie gastspielende Künstlerin, die selten dort spielte, wo sie zu Hause war. Ich toure weiterhin, wie bisher vor allem in Deutschland, Tschechien, Niederlande, Dänemark, und ich plane Kooperationen mit Künstler*innen in Brasilien, Tschechien, Niederlande. Aber in der Pandemie habe ich den regionalen Blick sehr zu schätzen gelernt und will nun mehr in der Region wirken, in der Region spielen, sowie mich mit örtlichen Künstler*innen und Akteur*innen vernetzen.
Im Zentrum steht dabei die Mühle und ich will ausloten, inwieweit sie zum öffentlichen Theaterort werden kann, sowie Produktions- und Residenz-Zentrum für künstlerische Arbeit professioneller Künstler*innen. (1)
Ausgrabung
Die Feldmühle Kelbra ist eine um 1860 entstandene Industriemühle mit zahlreichen Getreidespeichern, Lagerräumen, Verwaltungsgebäuden und Wohnhäusern. Als Industriedenkmal steht sie weithin sichtbar in der Landschaft zwischen Südharz und Kyffhäuser an der Talsperre Kelbra. Ein architektonisch bemerkenswerter Ort in Klinkerbauweise, der gespenstisch leer wirkt im Kontrast zum industriellen Zentrum, das er einst gewesen ist. Lost place in lost time.
Um an diesem Ort anzukommen, bin ich zusammen mit Hoppe Hoppinsky und Tobias Stiefel seit November 2022 buchstäblich damit beschäftigt ihn auszugraben: Über 30 Jahre wurden Müll, Schutt, Baustoffe und Kram in den Gebäuden und auf dem Gelände eingelagert, abgelegt und deponiert. Über 30 Jahre überwucherten Brombeerranken, Hagebuttenbüsche, Holunder und Brennesseln das Gelände und Gebäudeteile, etliche Bäume setzten sich im Mauerwerk fest. Das alles gilt es zu sortieren, einzulagern, zu entsorgen, freizuschneiden, zu kompostieren und wiederzuverwenden.
Dabei stoßen wir immer wieder auch auf Überraschungen und Schätze, die manchmal praktisch für den zukünftigen Produktionsort sein können, und manchmal auch einen immensen Imaginationsraum für mögliche Inszenierungen, Ausstattungen und Erzählungen eröffnen.
Dabei stellen sich Fragen nach der Vergangenheit. Überwältigt von der Müllentsorgung steht für uns an erster Stelle das Warum: Warum wurde der Müll nicht ordentlich entsorgt? Warum haben die Vorbesitzer*innen das alles angesammelt? Warum macht man sowas…? Aber dann kommt wirkliche Neugier nach den Menschen, die hier vorher lebten und wirkten. Schicht für Schicht finden wir Spuren, historisch geschichtet von oben nach unten: Staub, Stille und Stillness (Corona-Pandemie), Lasertech-Labyrinth (2010er Jahre), ALBIG – Alles-Billig-Markt (in den 1990ern), Abwicklung der Mühle und Verkauf an Familie Lütke in Sondershausen (nach der Wende), VEB Saalemühlen Bernburg (1968 bis 1990), strombetriebene Mühle (ab 1925), Wassermühle – Rudloffsche Mühle (19.Jhd. bis 1925), historischer Ortskern Altendorf/Kelbra (davor).
Und es kommen Menschen vorbei, die erzählen wollen: Wie sie als Kinder auf dem Gelände spielten. Welche Tiere in den Ställen lebten. Was ihre Eltern in der Mühle arbeiteten. Was für Arbeit sie selbst in der Mühle, im Billig-Markt, auf dem Gelände taten.
Aneignung
Einen Residenzort zu gründen ist eigentlich nur ein Nebeneffekt meines eigentliches Ziels in der Mühle. Denn in erster Linie habe ich dieses Projekt begonnen, um hier selbst künstlerisch zu arbeiten, zu proben und zu kreieren. Das bedeutet, dass mir neben dem körperlichen Kennenlernen des Ortes (durch Entmüllen, Freilegen und Wiederherstellen) vor allem eine künstlerische Aneignung der Feldmühle Kelbra wichtig ist.
In meiner künstlerischen Recherche lote ich aus, was hier performativ möglich ist.
Räumlich, artistisch und choreografisch, bietet das Gelände mit den Gebäuden unendlich viele Inszenierungsmöglichkeiten mit Fassaden- und Dachbespielungen, theatralen Geländeführungen, artistischen Performances mit und auf den alten Maschinen, im Gebälk und auf Bäumen, und vielem mehr. Das untersuche ich, vor allem mit meiner eigenen Disziplin, Luftartistik. Welche architektonischen Details kann man mit welchen Bewegungen hervorheben? Wie kann man tänzerisch und artistisch Verbindungen zwischen der Architektur und der umgebenden Natur-Kultur sichtbar machen? Wie auf die Lage in Kelbra aufmerksam machen, zwischen Ortskern, ehemaligem Bahndamm und Talsperre, sowie in der Region in der landwirtschaftlichen Ebene zwischen Harz, Kyffhäuser und Sangerhäuser Revier? Wie kann man musikalisch die vielen Geräusche und Stimmen des Ortes einbinden? Was sind das für Sounds, zwischen Stille, Vogelgesang, Wind, Autobahn und anderen Maschinen? Diese Elemente, Wege und Verortungen erwandere ich, ertanze, erforsche.
Darüberhinaus forsche ich orts-spezifisch zeitgeschichtlich und historisch, alte Geschichten ausgraben, an diesem Lost Place, der Feldmühle Kelbra. Die ehemalige Müllers-Familie Rudloff war eine der wenigen großbürgerlichen Familien im Ort, deren Nachfahren sich heute auf ca. 20 Familien im Ort verteilen. Davon ist der Großteil untereinander zerstritten. Was sind das für Konflikte? Welche Rolle spielten dabei die Enteignungen in der DDR und die Abwicklung durch die Treuhandanstalt nach der Wende? Was bedeutet es, wenn plötzlich jemand vor uns steht und behauptet, er wäre der rechtmäßige Erbe der Mühle gewesen?
Und wie ging es weiter nach der Wende bis heute? Was macht die Menschen hier so unzufrieden, wovor haben sie Angst und wie kann ich da mit meiner Kunst ansetzen, um andere Wege aufzuzeigen?
Im recherchiere im örtlichen Heimatmuseum, besuche Stadtführungen sowie Archive in Sangerhausen, Dessau-Rosslau usw. Ich versuche die Menschen mit ihren Geschichten und Erinnerungen durch partizipative Prozesse in meine kreative Arbeit einzubinden.
Dabei muss ich auch meine eigenen künstlerischen und aktivistischen Haltungen kritisch überprüfen. Meine bisherige Haltung, „Mit Nazis spricht man nicht!“, fängt an zu verschwimmen, bzw. meine Definition, was eine*n Nazi ausmacht. Was entgegne ich einem Nachbarn, wenn er das gesamte politische „Establishment“ (insbesondere die Grünen) mit einem „Zug in die Vernichtung“ schicken will? Bevor ich mich als Antifa-Linke oute und riskiere, dass er uns gewaltbereite Nazis vorbeischickt, versuche ich doch zuerst das emotionale Gespräch auf rationaler Ebene – „Man muss doch wenigstens miteinander reden!“ Ich taste mich vor zwischen Selbsterhaltungstrieb und politischer Überzeugung, bezeichne mich erstmal nur als Queer-Feministin und Kapitalismus-Kritikerin, das reizt hier nicht so sehr wie Antifa: „Jedem das Seine!“. Meine besten neuen Freund*innen hier sind linke Querdenker*innen und eine antisemitische lesbische Person. Oh je, ab wann ist eine Meinung keine Meinung mehr, ab wann kann und will ich nicht mehr diskutieren? Ich vermisse meine Berliner subkulturelle Bubble und sehe, wieviel Arbeit hier für ethisches Denken und Handeln zu tun ist. Kann ich etwas bewirken, wenn ich meine Bubble verlassen muss? Ist das nicht meine eigentliche künstlerische Aufgabe als weiße cis Frau, die als bio-deutsch durchgeht und nicht wegen ihres Aussehens Angst um ihre körperliche Unversehrtheit haben muss? Kann ich das mit meiner Kunst? Geht das überhaupt?
Also muss ich auch meine Haltung, „Ich spiele nicht für Nazis!“, überdenken. In der Berliner Subkultur ist das für mich ein wichtiges Statement, vor allem um für vulnerable Gruppen im Publikum spielen zu können. Wenn ich aber an das transformierende Potential meiner Kunstform, Zirkus im öffentlichen Raum, glaube, müsste ich dann nicht erst recht Menschen mit rechter, sexistischer, homophober, rassistischer etc. Gesinnung ansprechen? Kann ich das nicht beides verbinden? Wie kann ich als Künstlerin mit dem Publikum einen performativen Safe Space für alle schaffen, ohne ungebetene Gäste von vornherein ausschließen zu müssen? Diesen Fragen versuche ich im Austausch mit anderen Künstler*innen in sich transformierenden ländlichen Räumen nachzugehen.
Transformation
Meine dreifache Recherche – physisch und artistisch im Raum, zeigeschichtlich und historisch mit den Menschen vor Ort, sowie aktivistisch für meinen Anspruch und meine Haltung – führt unweigerlich dazu, über eine ortsspezifische Inszenierung nachzudenken. Umbau und die Erschließung der Mühle, Kennenlernen der Menschen vor Ort, Erkundung der Landschaft gehen Hand in Hand mit Material-Entdeckung, nichts soll im alltäglichen Arbeitsprozess verloren gehen. Mit den Erinnerungen der Menschen und den zurückgelassenen Dingen will ich die verborgenen Geschichten und narrativen Schichten ausgraben und damit eine ortsspezifische Performance als Führung über das gesamte Mühlengelände inszenieren. Dabei stelle ich historischen Verortungen und Erinnerungsnostalgie vor allem die gegenwärtige Transformation der ehemaligen Bergbauregion Mansfeld-Südharz gegenüber. Somit erhoffe ich mir ein vielstimmiges narratives Geflecht, mit dem ich einen künstlerischen, performativen Zugang zur Mühle und den Menschen der Region erschaffen will.
Meine Fragen werden konkreter, mit einer Inszenierung im Hinterkopf – ich habe Fragen an den Ort, an die Mühle, und will mich damit inhaltlich an eine Performance-Inszenierung annähern. Ebenso choreografisch, artistisch und visuell.
Wo finden sich an einem Lost Place, mit sichtbaren Spuren der Vergangenheit, Spuren der vergangenen Arbeit, der vergangenen Menschen? Wo finden wir die, die sich erinnern? Wie schreiben sich die ehemaligen täglichen Tätigkeiten in den Raum ein? In die Körper? Oder gibt es sie nur in den Köpfen? Wie können wir die Geister der vergangenen Arbeit sichtbar machen? Gibt es im Lost Place auch so etwas wie Lost Movement, Lost Time? Welche Bewegungen prägten die Arbeit, repetitiv, außerordentlich, still? Welche Beziehungen? Welche Auseinandersetzungen und Arbeitsbedingungen, im 20. Jahrhundert, vor und nach der Wende, im 21. Jahrhundert?
Stück-Entwicklung
Ich hole Anja Gessenhardt als künstlerische Co-Leitung einer Inszenierung dazu und strecke meine Fühler zu Kolleg*innen aus, um das künstlerische Team zu gründen: insgesamt kommen sieben Künstlerinnen zusammen, die seit Jahren immer wieder in verschiedensten Projekten und Konstellationen zusammenarbeiten. Dabei hat jede von uns verschiedene Schwerpunkte, und doch ist uns allen unser Background im zeitgenössischen Zirkus gemeinsam. Das heißt nicht, dass alle von der artistischen Höchstleistung kommen. Das bedeutet in erster Linie, dass wir über körperliche Bewegung und visuelles Denken an Inhalte und Stoffe herangehen und dass wir körperliche und visuelle Sprache wichtiger nehmen als gesprochenen Text. Es sind die Artistinnen Anja Gessenhardt, Sylvia Idelberger, Nicola Elze und ich, die Musikerin Jennie Zimmermann, sowie die Performance-Künstlerinnen Claire Terrien und Friederike Berat. Da wir alle performen wollen, laden wir Christiane Wiegand als Regisseurin und Dramaturgin zum Kollektiv ein.
Dieses künstlerische Team ist besonders geeignet für die Verbindung von dokumentarischem Theater und Erinnerungstheater mit zeitgenössischem Zirkus und Artistik. Friederike Berat, Anja Gessenhardt, Christiane Wiegand und ich arbeiten viel an dieser Schnittstelle, sowohl in unseren eigenen als auch in gemeinsamen künstlerischen Produktionen und partizipativen Werkstätten. Für uns sind Tanz, Artistik und andere Bewegungskünste besonders geeignet, sich mit Erinnerungen und Geschichten auseinanderzusetzen und diese zu bearbeiten. Die Kombination aus Schreiben/Sprechen und Bewegen bringt immer unerwartete Ergebnisse und verbindet dabei Menschen auf einer ganz neuen Ebene.
Um konkreter und gezielter Erinnerungen zu sammeln, eröffnen wir in der Mühle ein temporäres Erinnerungscafé mit Kaffee und Kuchen auf Spendenbasis, um mit ehemaligen Arbeiter*innen, Nachbar*innen, Familie usw., in Austausch zu kommen. Wir erfahren dadurch Geschichten, Anekdoten, Erinnerungen, aus denen wir Erzählstränge für die Performance spinnen können.
Zusätzlich zum Sammeln von inhaltlichem Material, wollen wir damit auch ausloten, was die Menschen vor Ort bewegt, was sie interessiert – und nicht zuletzt natürlich interessiertes Publikum für diese künstlerische Arbeit generieren und es an unserer Arbeit teilhaben zu lassen.
Nebenbei wollen wir herausfinden, ob unsere künstlerische Sprache (die ja in erster Linie großstädtisch performativ geprägt ist) einerseits mit den Erinnerungen und Geschichten zusammenläuft und sie trägt, sowie andererseits angenommen wird und für die Menschen vor Ort interessant sein kann. Dabei hoffen wir auch auf die verbindende Kraft unseres Genres zeitgenössischer Zirkus, das das niedrigschwellige Versprechen von Unterhaltung mit relevanten künstlerischen und gesellschaftlichen Fragen zusammen bringen kann.
Inszenierung (2)
Hier Molinologinnen-Kollektiv 47.
In der alten Mühle Kelbra.
Breitengrad: 51°25’58.6″ Nord
Längengrad: 11°01’58.2″ Ost
9. Mai 2026, 14:00h
Ca. 70 Personen.
Sammlung der letzten Koordinaten für die Reiseroute läuft. Over.
Auszug aus ZeitenMühle: Start der Zeitreise
Ein Molinologinnen-Kollektiv lädt ein, die Mühle durch Schichten und Zeiten zu erkunden. In Reisegruppen bewegt es sich mit dem Publikum durch die Epochen von der Blütezeit als Rudloffsche Mühlenwerke (1860 – 1925), über die VEB-Ära (1975 – 1990) bis hin zur Nachwendezeit (1991) und einer visionären Zukunft (2026+). Dabei werden Originaltöne, Geräusche und Musik eingebunden, die über Kopfhörer oder Lautsprecher das Publikum immersiv einbinden.
Sieben Siebe sieben das Mehl so fein und rein.
Das alles aus dem gülden Korn, ja so soll es sein.
Weizenmehl 405.
Weizenmehl 405 für 3,35.
Für 3,85.
Anweisung, Planung, Verantwortung tragen
Er macht nichts und manchmal, da macht er gar nichts.
Er macht nichts und manchmal, da macht er gar nichts.
Der Bäcker lacht, ihm geht nichts fehl, er braucht nur Rudloffs Mehl.
Mehlstau!
Auszug aus ZeitenMühle: Der Mühlenbesitzer
Hinein in die leerstehenden Gebäude der Mühle, in die Zeit der Getreideverarbeitung und des Mahlens: ein musikalischer Dialog zwischen dem Müllermeister und einer Arbeiterin, eine visuelle Lehrstunde über Molinologie, eine luftartistische Verbildlichung der Arbeit an den Mahlwerken. Dann die Wende und mit ihr das Ende des Mahlbetriebs. Ein Monolog der Mühle selbst verleiht dem Gebäude eine Stimme und reflektiert über seine 150-jährige Geschichte, den Stillstand und die Hoffnung auf eine neue Ära.
Zum ersten Mal
Seit Jahrhunderten
Stille (…)
Ich habe gearbeitet, gearbeitet
Und gearbeitet (…)
Immer bewegt
Immer in Bewegung
In diesen Mauern
Und ich warte
Sie werden alle zurückkommen
Sie werden mich wieder füttern
Sie kommen wieder.
Auszug aus ZeitenMühle: Stimme der Mühle
Raus auf die Straße mit dem Publikum, in die aufregende und unbekannte Welt der Nachwendezeit. Einzug des Kapitalismus, Verkauf von über 100 Betrieben in der Region, Verkauf der Mühle.
Im Zuge der Umwandlung vom VEB Saalemühlen Bernburg in die Bernburger Saalemühlen GmbH wurde diese „Zweigstelle“ stillgelegt. Die Belegschaft ist bereits entlassen. Es handelt sich also nicht um einen Betrieb, der zum Verkauf steht, sondern um eine Immobilie – mit Umnutzungsmöglichkeit. (…)
Wir haben hier in der Region auch noch andere Objekte, die zum Verkauf stehen. (…)
Eine Objektliste ist hier gleich nebenan einsehbar.
Das ist Ihre einmalige Chance, das wird so schnell nicht wieder kommen.
Aufbau Ost – Und wir können alle dabei sein!
Die blühenden Landschaften entstehen ja nicht von selbst!
Auszug aus ZeitenMühle: Frau Treufuß
Neue Möglichkeiten, neue Werte, neue Bedürfnisse. Ein Supermarkt in der Mühle. Mit Komik und Artistik wird das Publikum weggeführt von der leeren Mühle, in eine aufregende Shoppingwelt. Ein letzter Blick zurück, die Seele des Müllers tanzt an der Fassade, will festhalten, die Zeit still stellen. Doch der Konsumtraum, -rausch, -wahn ist stärker.
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Auszug aus ZeitenMühle: Frau Pfiffig
Das anfängliche Alles-ist-Möglich der Nachwendezeit verfliegt, kleine Supermärkte weichen großen Konzernen, die Mühle ist erneut still.
Bis eine neue Ära beginnt, Spiel und Spaß im Speichergebäude. Lichttheater mit Großkostümen, surrealistischer Laserkampf zwischen dem Kleiekotzer (Vergangenheit), einem Erbsbär (Tradition) und dem Konsummonster (Gegenwart), bis alle feststellen, dass sie sich auf ewig im Schwebezustand befinden, feststeckend in der Zeit. Dann kommt die Pandemie und es wird wieder still.
Hallo, 06 und 07, bitte melden.
Hier 06…
…und 07.
Standort?
2019.
Wir stecken in einem Lasertag-Spiel fest.
Verstanden. Wir sind weiter voraus.
Bitte präziser!
Zukunft. Genauere Daten aktuell nicht verfügbar. Können Zeittunnel für euch öffnen.
Nehmen wir.
Auszug aus ZeitenMühle: Lasertag-Labyrinth
Ein Zeittunnel öffnet sich, alle hinaus ins Gelände, überwucherte Flächen, der Blick an die Fassaden. Wer ist hinter den Fenstern? Die vertikale Architektur lädt ein zum Tanz, strukturelle Choreografien, Counterweight-Artistik und Luftartistik am Tuch, Sounds und Stimme, Pop-Up-Galerie, Performance. Darüber zieht der Rotmilan seine Kreise, unbeeindruckt von den Menschen unter sich, die jetzt den Blick nach oben heben.
Alles deutet darauf hin, dass etwas eröffnet wird… es sind viele Leute aus Kelbra und Umgebung gekommen. (…)
Das ist der Anfang des „Zentrums für physikalische und soziale Artistik“. Hier wird bald in viel größerem Sinne zwischen Stausee und Stadtzentrum von den Bewohnern und Bewohnerinnen der Stadt Energie für ganz Kelbra erzeugt. (…)
Und von der alten Mühle wird nur noch geredet als Ort der – ja, jetzt wird es spannend – wie soll dieser Ort heißen?
Trommelwirbel: ZUsammenKUNFT. (…)
Eure Bewunderungsenergie ist phantastisch!
Kommt doch einfach immer wieder hierher – in die Zusammenkunft!
Der Zeittunnel bleibt ab jetzt offen!
Auszug aus ZeitenMühle: ZUsammenKUNFT
Am Ende bleibt der Zeittunnel offen – eine Einladung, die Geschichte der Mühle als lebendigen Organismus weiterzudenken. Und neue Fragen tun sich auf, Fragen der nächsten Generation. Hoffnungen auf die Zukunft.
Welche Jugendwörter wird es in 50 Jahren geben? Wie werden wir uns fortbewegen? Welche neuen Sportarten wird es in der Zukunft geben? Werden Roboter unsere Freunde sein können Wird KI allen Menschen die Arbeit wegnehmen? Wird das Reisen in der Zukunft eigentlich weniger Geld kosten? Werden die Preise jemals sinken? Werden die Frauen im Iran jemals ihre Meinung äußern können ohne Strafe? Was kann man später gegen Abfall unternehmen? Werden die Meerestiere jemals ein sauberes Meer sehen? Wird es irgendwann einen Grünmond geben Warum werden am Automaten in Kelbra Vapes verkauft, obwohl immer mehr jugendliche Vapes konsumieren? Wieso hat das Fenster am Eiseck nicht im Winter auf?
Auszug aus ZeitenMühle: O-Töne Jugendliche, ZUsammenKUNFT
1 See now CircusMühle Kelbra – Center for Performing Arts and International Artists Residencies, https://www.circus-muehle.de
2 Premiere: 09.05.2026, Kelbra, https://luftartistin.de/ortsspezifische-produktionen/zeitenmuehle/