Frau Vladusch – TrapezTanzTheater

Kurzbeschreibung - Stück-Informationen

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Frau Vladusch, Foto: Stadt Mölln

Mit Alltagsbildern und großer Liebe zu kleinen Details erzählt Jana Korb eine sehr persönliche Geschichte. Ins Groteske auseinandergenommene Alltags-Bewegungen werden als tänzerische Elemente eingesetzt auf der Erde und in der Luft am Trapez. Artistische Tricks zerfließen zu einer Körpersprache, die den Schmerz sichtbar macht - und dennoch zum Lächeln zwingt.
So entsteht eine Geschichte über die Schönheit alltäglicher Bewegungen, über fliegende Träume und die Erinnerungsarbeit einer alten Frau.

 

Versionen

Solo - Aerial Theater an drei Trapezen (35min.), ohne Sprache
Für Theater oder Open Air am Trapez-Gerüst

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>> weitere infos auf www.trapeztanztheater.de

Video Trailer - Frau Vladusch - TrapezTanzTheater

Eine einsame Frau?

Einsamkeit.
Alltagsrituale.
Schlafen.
Schmerz.
Vergessen.

Erinnerungen.
Kontrolle.
Ausbruch.
Erinnern.
Veränderung…

 

Frau Vladusch lebt allein in ihrer Wohnküche, mit streng organisiertem Tagesablauf und vielen kleinen Alltagsritualen – alles einer starren Ordnung unterworfen. Ihre pedantischen Wiederholungen, Beherrschtheit und Selbstkontrolle resultieren aus Angst vor Erinnerungen und ihrer Vergangenheit: Grenzüberschreitung, Gewalterfahrung, Schmerz.

Und so entwickelt sie mit raffiniertem Geschick immer neue Methoden des Vergessens und der Verdrängung – und zieht die Leere ihres Alltags einer Auseinandersetzung mit sich selbst – und möglicher Veränderung – vor:
Fein verpackt bewahrt sie ihre Erinnerungen auf, hoch oben versteckt, in der Dachkammer ihres Bewußtseins. Fühlt sich sicher damit und hat verdrängt. Doch Frau Vladusch kann nicht umhin, die Selbstkontrolle zum Selbstzweck zu erheben, sie zu feiern, zu spüren – die Kontrolle zu verlieren. Erst nur in ihren Träumen, dann immer öfter als Visionen schleichen sich die Erinnerungen zurück und geben den Weg frei für neue Hoffnungen.

Und langsam fängt Frau Vladusch an sich zu verändern.

 

Grenzen transzendieren

Eine alte Frau, die in sich und ihrem Körper gefangen und gebrechlich ist, erlebt Momente, in denen sie über sich hinauswächst. Auch erinnert sie sich manchmal an frühere scheinbar grenzenlose Möglichkeiten.
Was sind das für Momente? Warum ist sie gefangen? Wovor hat sie Angst?
Denn zunächst einmal scheint es, dass sie alles daran setzt, nicht ihre Kontrolle zu verlieren. Ihre Grenzen hat sie mühsam um sich errichtet, niemand darf und kann diese Mauern einreißen. Doch unvermeidlich scheint der Zusammenbruch. Und was dann?

 

Künstlerische Grundlage für unsere Geschichten ist der Druck-Zyklus "Projekte für einen einsamen Menschen" (Проекты для одинокого человека, Serie, 1975) von Viktor Pivovarov von der Künstlergruppe "Moskauer Romantischer Konzeptionalismus". Darin zeichnet er auf nüchtern strenge Weise ein exemplarisches Bild vom Leben eines einsamen Menschen, komplett mit Biographie, Tagesablauf, Träumen, Wohnung usw. Dieses bis zur Absurdität gesteigerte Bild der Hoffnungslosigkeit nehmen wir als Ausgangspunkt für unsere szenische Arbeit und versuchen noch weiter zu gehen als Pivovarov: wir suchen nach dem Grund für diese Einsamkeit.

Dabei geht es uns nicht darum, in dieser Hoffnungslosigkeit stecken zu bleiben - in der die sowjetische Gesellschaft der 70er Jahre sich zu befinden schien - , sondern vielmehr unseren Blick in die Länder der Transformation in einer globalisierten Welt zu richten, insbesondere die ostdeutsche Nach-Wende- und die tschechische nach-revolutionäre Gesellschaft.

Wie gestaltet sich der Lebensalltag einer alten Frau, die selbst im real existierenden Sozialismus bereits alt war? Was wird aus den alltäglichen Alltagsabläufen durch ihre streng geregelte unendliche Wiederholung? Was sind ihre Lebenserinnerungen? What makes her tick? Was sind ihre Ticks?
Darin erspüren wir alltägliche Absurdität, clownesque Details, die die Grenze zwischen Tragik und Komik zerfließen lassen und zum befreienden Lachen führen.

So wird unser Stück zu einer Momentaufnahme einer vergessenen, alten Frau, die einsam und allein ist - eine, deren Identität ein Geheimnis ist, das sie mit sich ins Grab nehmen wird. Wir möchten dieses eine Bild, diesen einen Moment festhalten und die überraschende Tiefe ihrer Identität beleuchten. Wir leisten Erinnerungsarbeit um dieses verschwindende Geheimnis.

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Frau Vladusch, Foto: Thomas Kelling

 

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Frau Vladusch, Foto: Thomas Kelling

 

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Frau Vladusch, Foto: Thomas Kelling

 

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Frau Vladusch, Foto: Thomas Kelling

 

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Frau Vladusch, Foto: Thomas Kelling

 

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Frau Vladusch, Foto: Thomas Kelling

 

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Frau Vladusch, Foto: Vojtech Brtnicky

 

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Frau Vladusch, Foto: Vojtech Brtnicky

 

 

TrapezTanzTheater - das Trapez transzendieren

Das Trapez – ein begrenzter Raum – umgeben von ein paar Kubikmetern Luft. Darin sieht Jana Korb ungeahnte Möglichkeiten für Ausdruck, Bewegung und Spiel. Seit einiger Zeit beschäftigt sie sich mit begrenzten Räumen und ihren unbegrenzten Möglichkeiten, mit immer neuen Versuchen auszubrechen – dabei ist das Trapez sowohl als Spielort als auch als artistische Technik dieser begrenzte Raum.

In diesem Luftraum bewegt sich die Artistin, wenn sie ihre Künste zeigt. Darüber hinaus kommt sie nur, wenn sie das Trapez verläßt - nach oben, nach unten, freiwillig oder durch Fallen.
Uns interessiert, die Grenzen dieses Raumes zu erforschen und auszureizen. Die Begrenzung wird zur Chance, wenn das Trapez zu einem symbolischen Raum wird.

Doch im Gegensatz zu vergangenen Arbeiten ist in dieser Produktion der Boden die Enge einer kleinen Küche. Drei in unterschiedlichen Höhen hängende Trapeze dagegen eröffnen die große Welt der Erinnerungen, des Schmerzes, der Vergangenheit und der Hoffnung.

Unter der Regie von Erica Ruhl erschafft Luftartistin Jana Korb ein emotional und intellektuell bewegendes, pures Trapeztheater.

Technische Details

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Frau Vladusch, Foto: Vojtech Brtnicky

Trapeztheater von und mit Jana Korb

Spiel und Artistik: Jana Korb

Konzept und Idee: Jana Korb und Erica Ruhl
Regie: Erica Ruhl

Musik: Ulas Aktas und Supermonophonic
Kostüme: ajak kostümbild
Bühne: Erica Ruhl
Gestaltung: Tobias Stiefel und Gerhard Koch

Choreographische Assistenz: Anka Böttcher
Dramaturgische Assistenz: Dieter Handler

Produktion: Korb + Stiefel

 

Trapez-Solo an drei Trapezen, ca. 35min

Das TrapezTanzTheater wird am freistehenden Trapezgerüst gespielt, das die abgeschlossene Welt der Frau Vladusch widerspiegelt. Das Trapezgerüst ist eine dreibeinige Pyramide, die von allen Seiten einsehbar ist – das Stück ist sowohl frontal als auch 270° spielbar.
Am dreibeinigen Gerüst hängen drei Trapeze in verschiedenen Höhen über dem Bühnenbild (der Küche), das höchste in 5m Höhe. Auf dem Boden wird die Bühnenfläche mit einer runden Matte ausgelegt (4m Durchmesser).

3 Fixtrapeze, mind. 5m Höhe, 6 Hängepunkte (á 20kN) im Dreiek zueinander

Luftartistik-Gerüst für Straßentheater:
Freistehende dreibeinige Pyramide
Höhe: 8m
Grundfläche: ca. 6m x 6m
Grundfläche für Aufbau: 6m x 16m

Der Aufbau erfolgt durch Jana Korb und ihr Team.
Der Bühnenuntergrund muss flach und eben sein, frei von Equipment und Hindernissen im Abstand von ca. 2m um das Gerüst. Der Luftraum um das Gerüst muss ebenfalls frei sein im Abstand von ca. 2m.

Aufbau: ca. 2h
Abbau: ca. 1h

Licht:
Wir spielen idealerweise in Dämmerung oder Dunkelheit.
Zwei Lichtstimmungen:
- Boden, weißer Raum
- Trapeze, weißer Luftraum - ohne dass der Boden zu sehen ist

Sound:
Wir bringen einen Computer (Eingang kleine Klinke), CD oder USB-Stick mit.

>> Stück-Infos und Technischer Rider  - PDF Download
>> weitere Infos auf www.trapeztanztheater.de